Andreas Gelies: Kooperation und Vernetzung

Da haben sich einige Leute zwei lange Jahre beschäftigt, um die Zukunft von Kultur in Dessau-Roßlau zu beschreiben und hoffentlich zu sichern und ernten einen Sturm der Entrüstung. Ist das nicht undankbar? Eine chronisch überlastete Stadtverwaltung rafft sich zu einem solchen Kraftakt auf und dann dieses Ergebnis?

Wie kommt´s? Masterpläne sind Ergebnis eines breiten Diskussions- und Verständigungsprozesses und nicht die Vorwegnahme desselben. Und weil offenbar weitgehend im stillen Kämmerlein gearbeitet wurde und die Realitäten ausgeblendet oder zumindest zurechtgebogen wurden, darf es nicht wundern, dass sich allenthalben Empörung und Kopfschütteln zeigt.

Problematisch ist die neue Praxis öffentlicher Beteiligung, die in den virtuellen öffentlichen Raum verlagert wird, abgefragt werden Statements, die man dann getrost zu den Akten legen kann. Sollte dass eine neue Form der Bürgerbeteiligung sein, dann möchte man hoffen, dass die Bürger sich dem verweigern.

Die Qualität des kulturellen Angebots in Dessau-Roßlau bestimmt sich eben nicht nur über die kategorisierten Segmente, sondern in erster Linie über die Vielfalt der Angebote und Akteure. Der Masterplan blendet dabei die Projekte und Initiativen aus, die durch städtische Haushaltsmittel weitgehend nicht gesegnet werden. Deren Misere, die seit Jahren ablesbar ist, wird nur durch privates, bürgerschaftliches Engagement, auch finanziell, aufgefangen.

Geholfen hätte zunächst eine umfassende Analyse dessen, was Kultur in Dessau-Roßlau tatsächlich ausmacht und die Untersetzung mit Finanz- und Personalausgaben und -bedarfen. Und da fehlt leider gänzlich der Bereich, der schon seit Jahren mit dem Überleben kämpft und kulturelle Basisversorgung leistet, allerdings zum geringsten Teil den städtischen Haushalt belastet. Das lässt sich auch nicht mit Labeln wie Wohlfühlkultur, Bürger- oder Vereinskultur abhaken. Gedenkkultur beispielsweise ist alles andere als Wohlfühlkultur. Wird aber dennoch von Bürgern getragen und braucht Initiativen, die Träger sind.

Substantiell scheint allein die Idee, Kulturschaffenden eine Perspektive in Form eines dritten Arbeitsmarktes zu geben, weil das Vereine wie den K.I.E.Z. e.V. in die Lage versetzen würde die Belastung der Ehrenämtler auf ein Mindestmaß zu beschränken und die Qualität der Arbeit zu verbessern. Wie dies aber kommuniziert und umgesetzt werden soll, dazu sagt der „Masterplan“ nichts.

Tatsächlich braucht Kultur in Dessau einen Plan, der Substanz sichert und notorisch knappe Mittel so einsetzt, dass Lebensqualität für Bürger und Besucher erhalten bleibt. Um einen Prozess des Abwägens und Aushandelns werden wir uns nicht drücken können. Die Chance, die der „Masterplan“ nicht aufgreift, heißt Kooperation und Vernetzung. In Teilbereichen ist das schon Realität, wird aber anscheinend in der Verwaltung nicht wahrgenommen.

Initiative „Land braucht Stadt” c/o Thomas Steinberg Mendelssohnstraße 2 06844 Dessau-Roßlau